Nürnberg Geschichte

Nürnberg

zeigt sich heute als moderne Industrie-Großstadt. Im Gegensatz dazu, stehen die mittelalterlichen Bauwerke in der Altstadt, die trotz der großflächigen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg noch einen großartigen Eindruck von der Blütezeit der Noris vermitteln. Sehens- und besuchenswert für Stadtbewohner und Touristen gleichermaßen, sind die gut erhaltene Stadtbefestigung, die prachtvollen Kirchen, Bürgerhäuser und schließlich die alles überragende Burg. Nürnbergs historische Substanz stellt einen beeindruckenden Querschnitt durch die deutsche Geschichte dar. Schon in prähistorischer Zeit war das Pegnitzbecken dünn besiedelt, wie Funde aus der Steinzeit beweisen. Die Römer hatten das Land bis Weißenburg in Besitz genommen. Im Nürnberger Gebiet siedelten abwechselnd Kelten, germanische Hermunduren, Sweben und Thüringer. Frühe Handelsbeziehungen wurden durch Funde von Bernstein, Glas und Bronzegegenständen belegt.

„Nurenberc“ wurde im Jahre 1050 erstmals in der Sigenaurkunde erwähnt, in der Kaiser Heinrich III. die Freilassung der Hörigen (Leibeigenen) Sigena verfügte. Zu diesem Zeitpunkt bezog sich der Name Nourenberc „zu dem felsigen Berg“ wahrscheinlich auf eine Burg, die zum Schutz des Umlandes von Heinrich III. errichtet wurde. Das Pegnitzbecken war das Herzland des Reiches geworden. Von hier aus kontrollierte man die Verkehrswege nach Böhmen und ins Rheinland. Ab 1070 zog es viele Besucher nach Nürnberg ans Grab des wundertätigen Sebaldus. Lange Herrscheraufenthalte und die Hoftage Heinrichs IV. leiteten die Entwicklung zum Machtzentrum ein. Unter den Staufern wurde die Stadt ausgebaut, es entstanden die spätere Lorenzer Stadt und eine neue repräsentative Kaiserpfalz auf dem Burgberg. Die Burg ist eine der wichtigsten Festungen des Mittelalters.

An ihr lassen sich drei Phasen und Bauensembles voneinander unterscheiden:
Der älteste Teil ist die Burggrafenburg, von der nur noch wenige Reste zu sehen sind. Erhalten haben sich die Walpurgiskapelle und das wohnturmartige Burgamtmannshaus. Der Fünfeckige Turm, der auch das älteste Bauwerk – fällt dem Besucher durch seinen merkwürdigen Grundriss auf. Die etwas jungere Kaiserburg, erbaut um 1140, die unter Kaiser Friedrich I. Barbarossa ihre heutige Gestalt erhielt, diente als Befestigungsanlage. Zum relativ geschlossenen Bau gehört der auffallend wuchtige Sinwellturm, der wichtigste Wachturm der Stadt, der tiefe Brunnen, der die Wasserversorgung der Festung ab dem 12. Jahrhundert sicherte, der große Palas, ein Wohngebäude aus dem 15. Jahrhundert und die romanische Doppelkapelle. Westlich der Burg empfiehlt sich besonders im Frühjahr und Sommer ein Spaziergang im Burggarten. 1377 wurde mit der Errichtung des reichsstädtischen Teils der Burg begonnen. Zu sehen ist davon beispielsweise der Luginsland, ein Wachturm, der später auch als Gefängnis diente. Die Kaiseraufenthalte und Fürstentage förderten das Wachstum, und im Jahre 1163 erhielt Nürnberg das Stadtrecht. Im Zuge dieser Entwicklung wurde die Stadt zum Schauplatz der Reichspolitik. 1219 verlieh Friedrich II. im „Großen Freiheitsbrief“ Nürnberg wichtige wirtschaftliche Rechte, sowie die Befreiung von jeglicher Burggrafenherrschaft. Das bedeutete, dass die Stadt von nun an nur noch dem Kaiser selbst unterstellt war. Noch gab es keine politische Selbstverwaltung, der Freiheitsbrief bildete aber die Grundlage dazu.

Neben der Kaiserburg ist die Lorenzkirche das wohl beeindruckendste architektonische Zeugnis der Blüte der Stadt. Von 1270 bis 1353/60 wurde die Lorenzkirche im gotischen Stil erbaut und fasziniert noch heute. Als Gegengewicht zur Verehrung des St. Sebaldus in der Nachbarkirche überführte man die Reliquien des HI. Deocar hierher. 1439 wurde das Kirchenschiff um einen spätgotischen Hallenchor erweitert. Die Westfassade der Kirche zeichnet sich durch eine reiche Verzierung aus. Der Blick wird von der sich scheinbar drehenden zehn Meter hohen Rosette angezogen. Kunstvoll gestaltet ist auch der 15 Meter hohe durchbrochene Ziergiebel, der das ganze Ensemble krönt. Das um 1355/60 entstandene Hauptportal stellt eine Reihe von Szenen aus der Kindheit Jesu, der Leidensgeschichte und dem Jüngsten Gericht dar. Im Kircheninnenraum, mit Kreuzrippengewolbe, kann man die Muttergottes (1280190), die älteste Steinplastik Nürnbergs, besichtigen, sowie den Bronzeleuchter von Peter Vischer d.Ä., die Holzstatue des Erzengels Michael (1489) von Veit Stoß und natürlich seinen eindrucksvollen Engelsgruß (1517/18). Nicht zu übersehen ist ebenfalls das berühmte Sakramentshäuschen (1493/1496) von Adam Kraft.

Bei der Übernahme Nürnbergs durch Bayern im Jahr 1806 wurden zur Deckung der Stadtschulden große Schäden an den Kunstschätzen der Kirche verursacht. Den Silberschrein des HI. Deocar beispielsweise schmolz man ein, ebenso das mittelalterliches Bronzetaufbecken.
Direkt gegenüber der Lorenzkirche steht ein illustres Zeugnis der Wohnarchitektur des 13. Jahrhunderts - das Nassauer Haus. Es ist das älteste erhaltene Wohnhaus der Stadt und präsentiert sich in Form eines Wohn- oder Wehrturms dessen Fassade mit zahlreichen Papst-,
Reichs- und Kurfürstenwappen verziert ist. Seinen Namen erhielt das Gebäude nach König Adolph von Nassau, der angeblich seine Krone an den im Haus lebenden Kaufmann verpfändete, um seine Schulden abzuzahlen. Tatsächlich fand ein vergleichbares Ereignis erst im 15. Jahrhundert mit Kaiser Sigismund als Schuldner statt.

Die eigentliche Hauptkirche Nürnbergs ist die St. Sebalduskirche. Sie erhielt ihren Namen von dem Eremiten Sebald, dessen Wundertätigkeit sein Grab frühzeitig zur Wallfahrtsstätte werden ließ. Seit seiner Kanonisierung im Jahre 1425 gilt Sebaldus als Stadtheiliger. Der heutige Kirchenbau entstand in verschiedenen Bauphasen zwischen 1230/40 und dem Ende des 15. Jahrhunderts. Das Mittelschiff. die unteren Turmteile und der Westchor sind die Reste einer romanischen Pfeilerbasilika. lm 14. Jahrhundert sind die Seitenflügel durch einen hochgotischen Altarraum der Lorenzkirche mit Bronzeleuchter von Peter Vischer d.Ä. Neubau ersetzt worden. Der Hallenchor, auch Sebalder Chor (1361) genannt, ist ein spätgotisches Werk. Die beiden 77 Meter hohen Türme wurden im ausgehenden 15. Jahrhundert erhöht, um ein optisches Gegenstück zum Chor zu schaffen.

Die bedeutendste Sehenswürdigkeit der Kirche ist das erzene Sebaldus-Grabmal (1519) von Peter Vischer d.Ä., das die Reliquien des Nürnberger Stadtheiligen birgt. Die Kreuzigungsgruppe (1520) von Veit Stoß steht seit 1663, neben anderen Werken aus seiner Hand, in der Sebalduskirche. An der Außenwand des Ostchors findet man das Schreyer-Landauersche Epitaph von Adam Kraft. Dieser berühmte Nürnberger Künstler hat 1490/92 damit sein erstes Monumentalwerk geschaffen, das Szenen aus der Leidensgeschichte Jesu darstellt. Den Sebalder Pfarrhof nördlich der Kirche ziert das schönste Nürnberger Chörlein. dessen Original im Germanischen Nationalmuseum zu besichtigen ist. Diese regionaltypischen erkerartigen Fassadenvorbauten kann man bei einem Stadtbummel immer wieder entdecken. Ein Relikt der Stadtbefestigung ist der aus der Zeit um 1250 stammende Weiße Turm. Früher war er hell verputzt. was ihm seinen heute eher unverständlichen Namen gab. Mitte der 70er Jahre wurde der Turm rekonstruiert und zu einer U-Bahn-Station ausgebaut. Stets war Nürnberg eine betont kaisertreue Stadt. Das machte sie zwar abhängig vom Reich und seinen Regenten, es war aber auch eine wichtige Grundlage für den weiteren Aufstieg Nürnbergs zur großen und bedeutenden Reichsstadt. Nürnberg unterstand direkt dem Kaiser und übernahm schon im 14. Jahrhundert die politische Führung der fränkischen Reichsstädte. Ein großer Erfolg für die Noris war die 1356 verkündete „Goldene Bulle“, die jeden neu gewählten Kaiser dazu verpflichtete, seinen ersten Reichstag in Nürnberg abzuhalten. In dieser blühenden Epoche entstanden auch zahlreiche prägende Bauten und Plätze, so z.B. der Hauptmarkt mit seiner Frauenkirche im spätgotischen Stil. Nicht nur das berühmte symbolhafte „Männleinlaufen“ - sieben Kurfürsten umschreiten Kaiser Karl IV. - ist sehenswert, sondern auch der Michaelschor, der 1361 die Reichskleinodien ausstellte. Heute ist die Kirche mit bemerkenswerten Kunstwerken ausgestattet.

Man kann zwei Arbeiten von Adam Kraft besichtigen, die Altarblätter des Tucheraltars (1440/50), die ein bedeutendes Zeugnis vordürerscher Tafelmalerei darstellen und das farbige Grabdenkmal für Hans Rebeck aus dem Jahr 1500 mit einer Mariendarstellung. Direkt am Hauptmarkt. auf dem jährlich im Dezember der Christkindlesmarkt abgehalten wird, steht als Blickfang der Schöne Brunnen aus dem 14. Jahrhundert. Die Brunnenschale ist von einem kunstvollen Gitter umgeben. 40 Skulpturen zeigen Evangelisten, Kirchenväter, antike und biblische Helden, Moses, sowie die sieben Propheten. Der berühmte Ring ohne Naht ist das „Meisterstück eines Lehrlings, der nach einer Schelte seines Meisters sein wahres Können unter Beweis stellen wollte. Dieser Ring - siehe oben, obwohl schon mehrfach erneuert veranlasst so manchen Stadtbesucher, daran zu drehen - doch ob man dadurch nach Nürnberg zurückkommt, sich ein Wunsch erfüllt oder ob man einfach Glück hat, hängt vom Aberglauben” jedes Einzelnen ab.

Der Bau des Alten Rathauses - heute im Hof des jüngeren Wolff’schen Rathausbaus - erfolgte
ebenfalls im 14. Jahrhundert, sein Saal galt als größter Saalbau nördlich der Alpen. Im Bayerischen Erbfolgekrieg von 1504 bis 1506 gewann Nürnberg einige Städte und wichtige Zufahrtsstraßen nach Böhmen hinzu. Zu diesem Zeitpunkt besaß die Stadt auch das großte Territorium aller deutschen Reichsstädte und war an Größe und Bedeutung mit italienischen Stadtrepubliken vergleichbar – Nürnberg war auf dem Höhepunkt seiner Macht angelangt. Nachdem Martin Luther 1517 seine Thesen an die Wittenberger Stadtkirche geschlagen hatte und damit offen die Reformation der Kirche forderte, fielen seine Ideen und Forderungen in Nürnberg auf fruchtbaren Boden. Das Volk schloss sich mehrheitlich der Lehre Luthers an. Das fand auch Widerhall in der Nürnberger Kunstwelt. Hans Sachs schrieb das Lied von der „Wittenbergisch Nachtigall“ und Albrecht Dürer malte 1526 die vier Apostel als Bekenntnis zur lutherischen Lehre.

Der evangelische Ritus wird in Nürnberg offiziell 1525 eingeführt. Die darauf folgende kaiserliche Distanz zu Nürnberg wird durch die Tatsache bezeugt, dass der letzte Reichstag 1543 in Nürnberg abgehalten wurde. Jedoch, dem Nürnberger Traditionsbewusstsein sei Dank, die schönen Heiligenfiguren und Kirchen blieben erhalten, und es gab keinen „Bildersturm“ wie andernorts. Der wirtschaftliche Erfolg der Noris resultierte aus der zentralen Lage am Schnittpunkt wichtiger Heer- und Handelsstraßen. Berühmt wurde der Fernhandel der Stadt. Der Nürnberger Patrizier Martin Behaim (1459 - 1507) wirkte mit, das Zeitalter der uberseeischen Entdeckungen herbeizuführen. Seine Erfindung die Binnenstadt Nürnberg nicht vom Geist der Entdeckerzeit verschont blieb. An verschiedenen überseeischen Unternehmungen beteiligten sich auch Nürnberger Bürger, aber Kapitalmange1 und mangelnde Entscheidungsfreude hinderten sie am Erwerb von Kolonien, wie sie beispielsweise die Augsburger Fugger und Welser gewannen. Der Nürnberger Geschäftsmann dieser Zeit beteiligte sich lieber am Montanwesen. vor allem am Silberhandel und am Kupferbergbau. Neben dem Metallgewerbe war die Spielwarenmanufaktur herausragend. Der Ausspruch „Nürnberger Tand geht durch alle Land“ erinnert noch heute an den Erfolg dieses Gewerbes.

Eindrucksvoll war auch der Erfindergeist in der Stadt. Die ..Nürnberger Schere, die Taschenuhr - das „Nurnberger Ei“ - von Peter Henlein, der Drehstuhl, der Schraubstock, das Radschloss fürs Gewehr, um nur einige zu nennen, beweisen den Einfallsreichtum.

Nürnberg war ebenfalls ein früher Schrittmacher der Geldwirtschaft zur Finanzierung der kostspieligen fürstlichen Politik. Von 1449 bis 1622 verdoppelte sich die Zahl der Einwohner von 20.211 auf rund 40.000. Zwischen 1450 und 1550 erlebte die Kultur der Stadt ihre Hochblüte. Albrecht Dürer (1471 - 1528) schuf seine Gemälde, Kupferstiche, Holzschnitte und entwickelte seine berühmte Proportionallehre. Veit Stoß (1447 - 1533), der großartige Holzbildhauer, Kupferstecher, Maler und Architekt gestaltete neben anderen bedeutenden Werken den Engelsgruß in der Lorenzkirche. Adam Kraft (um 1455 - 1508), der Steinbildhauer und Schöpfer des Schreyerschen Grabmals an der Sebalduskirche zeichnete sich vor allem durch meisterliche Charakterisierung seiner Gestalten aus. Peter Vischer d.Ä. (um 1465 - 1529). Erzgießer und Besitzer der damals bedeutendsten Gießhütte Deutschlands betätigte sich vor allem als Schöpfer von Grabdenkmälern. Das Sebaldusgrab ist sein gewaltigstes Werk.

Den verhältnismäßig hohen Bildungsstand, nicht nur der gehobenen Patrizier, sondern auch der einfachen Handwerker zeigt der Meistergesang. Handwerker wandelten das höfische Minnesingen zu einem einstimmigem Gesang in bürgerlich lehrhafter Form um. Hans Sachs (1494 - 1576), der Schuhmacher, Poet und Meistersinger schuf damit eine völlig neue Form volkstümlicher deutscher Dichtung. Er hinterließ 5.500 Werke, die biblische und auch antike Stoffe behandeln. Durch ihn wurde das Bildungsgut der Antike breiten Schichten zugänglich.

Ab der Mitte des 17. Jahrhunderts waren aber auch in der Noris die allgemeinen Probleme unübersehbar. Pestepidemien schwächten die Bürgerschaft. Man kämpfte mit der Abwehr gegenreformatorischer Bestrebungen, um seinen protestantischen Glauben behaupten zu können. Während in anderen Teilen des Reiches schon der Dreißigjährige Krieg (1618 - 1648) wütete, entstanden in Nürnberg noch Prestigebauten wie das Neue Rathaus (1616 - 1622) nach seinem Erbauer Jakob Wolff d.J. Wolff’scher Bau genannt. Dieses Bauwerk überträgt zum ersten Mal den Typ des italienischen Stadtpalastes der Hochrenaissance nach Deutschland. Drei schwungvolle Portale mit Figurenschmuck, die allegorisch Regierung. Tradition und Stärke darstellen und drei Pavillonaufbauten nach dem Muster französischer Schlossarchitektur imponieren noch heute.

Die historischen Lochgefängnisse aus dem 14. Jahrhundert zeigen aber auch, dass diese Zeit nicht nur an den beeindruckenden architektonischen Zeugnissen gemessen werden sollte. Der große Rathaushof mit seinen steinernen Arkadengängen erinnert an die italienischen Vorbilder. Der originelle Gänsemännlein-Brunnen von Pankraz Labenwolf spiegelt die Überheblichkeit der Städter gegenüber der Landbevölkerung wider, der nichtsdestotrotz als die bekannteste deutsche Brunnenplastik der Renaissance gilt. Der Prestigebau des Rathauses täuscht darüber hinweg, dass die eigentliche Macht nicht in den Händen der Bürger lag, sondern von nur wenigen Patrizierfamilien ausgeübt wurde. Die Mehrheit der Bürger hatte nur formale Mitbestimmungsrechte. 1622 wurde die Erhebung der Akademie im zu Nürnberg gehörenden Altdorf zur Universität durchgesetzt.

Was bereits im 16. Jahrhundert nach Entdeckung der neuen Welt begonnen hatte – die Verlagerung des Macht- und Handelsschwerpunktes nach Spanien, Portugal, Frankreich und England - weitete sich während des Dreißigjährigen Krieges aus. Das Reich und seine einst so mächtigen Reichsstädte waren kraftlos, die Territorien verwüstet, die Bevölkerung dezimiert und die Städte hoffnungslos verschuldet. Der Nürnberger Handel erlebte nun seinen endgültigen Niedergang, die Patrizier zogen sich aus dem Fernhandel zurück und die bürgerlichen Kaufleute hatten im Krieg große Verluste erlitten. Nun übernahmen vor allem Italiener, Engländer und Niederländer die Schlüsselstellungen im Nürnberger Wirtschaftsleben.

Erstaunlich ist das kulturelle Engagement der geschwächten Stadt, die trotz wirtschaftlicher Stagnation eine Art „kultureller Nachblüte” erlebte. Die Altstadt erhielt zu diesem Zeitpunkt Prägungen im Stil der Renaissance. 1556 bis 1564 wurden die Rundtürme der Stadtbefestigung gebaut. Von 1596 bis 1598 errichtete man die Fleischbrücke - angeblich nach dem Vorbild der Rialtobrücke in Venedig - auf deren rechter Seite der 80 Zentner schwere steinerne Ochse steht, der laut Inschrift „nie ein Kalb gewesen ist”.

1718 entstand die einzige Barockkirche Nürnbergs, die St. Egidien-Kirche. Sie wurde auf dem Standort eines schottischen Benediktinerklosters aus dem 12. Jahrhundert errichtet. Die strenge Monumentalität, die bereits klassizistische Züge trägt, steht ganz im Zeichen des protestantischen Barocks. Heute sieht man allerdings nur eine Nachbildung, denn das Original wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Ende des 18. Jahrhunderts waren die Stadtkassen leer. 1794 gelang es Bürgern im „Grundvertrag” eine Mitwirkung an der Finanzverwaltung durchzusetzen. 1797 musste der Kaiser sogar eine Sanierungskommission nach Nürnberg entsenden. um die Finanzlage zu verbessern. Währenddessen war die Stadt schon mehrfach von französischen Truppen besetzt gewesen. 1806 führte der Sieg Napoleons über Österreich und Preußen zum Zerfall des ,,Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation” und zur Bildung des Rheinbundes. Bayern erhielt als Lohn für seine frankreichfreundliche Haltung 1802 die Bistümer Bamberg und Würzburg, 1805 Ansbach und 1806 schließlich die souveräne Stadt Nürnberg. Nach der Eingliederung in das bayerische Königreich begann für Nürnberg eine völlig neue Epoche. Die ehemals so bedeutende Reichsstadt, das Macht- und Wirtschaftszentrum wurde zur Provinzstadt degradiert. Um die Schulden der Stadt auszugleichen, wurden zahlreiche Kunstwerke, unter ihnen bedeutende Werke Peter Vischers und anderer Künstler. verschleudert. Die Universität wurde geschlossen, Kirchen auf Abbruch verkauft. 1808 war Nürnberg noch administrativer Mittelpunkt des Pegnitzkreises. doch 1810 wurde auch dieser nach Ansbach verlegt. Der größten Stadt Frankens blieb damit ein Regierungssitz vorenthalten und sie sank zur politischen Bedeutungslosigkeit herab. An die Stelle des reichsstädtischen Rechts trat die neue bayerische Gesetzgebung, alte Bräuche wurden aufgehoben und die Wehrpflicht eingeführt. All das und die Verletzung des Nürnberger Selbstverständnisses als freie Bürgerschaft führte nicht gerade zu einer positiven Stimmung gegenüber den neuen Machthabern.

Wie überall in Franken, sehnten sich auch in der Noris viele wieder nach der Herrschaft der Hohenzollern zurück und verdammten eher die Wittelsbacher Könige. Doch die Nürnberger nutzten die neue Zeit auch, um zu einem neuen wirtschaftlichen Aufstieg zu finden. Der Wiener Kongress schuf zunächst die Voraussetzungen für einen dauerhaften Frieden und damit für eine stabile Entwicklung. Den Auftakt zum allgemeinen Aufschwung bildete 1835 die erste Dampfeisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth. Pioniere wie Cramer-Klett, Schuckert und Faber machten Nürnberg zu einem wirtschaftlichen Mittelpunkt in Bayern. 1837 begann der Bau des Ludwig-Donau-Main-Kanals, sowie der Bau der Staatseisenbahn ab 1844. Diese Projekte symbolisierten auch für die Zeitgenossen den Aufbruch in eine neue Epoche - die industrielle Revolution.

Daraus resultierte wiederum die Entstehung der Arbeiterbewegung. Soziale Probleme traten besonders in den unteren Schichten der Gesellschaft auf. Die allgemeine Unruhe in Deutschland gipfelte 1848 in der Revolution. Ihre Auswirkungen waren zwar auch in der fränkischen Industriestadt spürbar, ihre Zentren lagen jedoch anderswo. 1852 gründete Hans von Aufseß das Germanische Nationalmuseum, mit dem Ziel, einen umfassenden Überblick über die kulturelle Entwicklung des deutschen Volkes zu geben. Seit der Romantik war das mittelalterliche Nürnberg ein Ort der Bewunderung. Die Verherrlichung gipfelte in der Verehrung Nürnbergs durch Wagners Meistersinger.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts gelang es den Juden sich auch in Nürnberg zu emanzipieren, und 1869 entstand am Spitalplatz eine Synagoge. 1871 war es soweit: Die Reichseinigung wurde durch Bismarck durchgesetzt, nun waren die Voraussetzungen für eine einheitliche Entfaltung des zersplitterten Reiches geschaffen. Nürnberg wandelte sich unter diesen günstigen Umständen zu einer modernen Großstadt. Aufgrund ihrer zahlenmäßig starken Arbeiterschaft wurde sie die Hochburg der bayerischen Sozialdemokratie. Karl Grillenberger wurde als erster Arbeitervertreter in den bayerischen Landtag entsandt.

Nachdem in den ersten Jahren der Weimarer Republik in Nürnberg moderne Fabriken entstanden waren und die Nürnberger Industrie eine führende Rolle in den traditionellen Branchen wie Handwerk oder Spielwaren spielte, brachen in der Weltwirtschaftskrise zahlreiche Firmen zusammen und die Arbeitslosigkeit stieg auch in Nürnberg stark an. Am 9. März 1933 hisste die nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei die Hakenkreuzfahne auf dem Nürnberger Rathaus. Der Oberbürgermeister wurde verhaftet, die sozialdemokratischen Stadträte abgesetzt. Hitler machte Nürnberg in Anknüpfung an seine sich selbst zugewiesene Rolle im Heiligen Römischen Reich zur Stadt der Reichsparteitage. 1935 wurde die Stadt durch die „Nürnberger Gesetze” zum Synonym für die Entrechtung tausender jüdischer Bürger in Deutschland.

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Das Reichsparteitagsgelände demonstriert noch heute die Maßlosigkeit eines Regimes, das mit diesem Bauwerk antike Vorbilder nachahmen wollte und in seinem grauenhaften Fanatismus und Rassenwahn jegliche humanistischen Ideale verriet. Die jüdische Gemeinde. die davon am schlimmsten betroffenen Nürnberger, schrumpfte innerhalb der Jahre 1933 bis 1939 um zwei Drittel. Die Synagoge wurde in der Reichskristallnacht zerstört, jüdische Wohnungen verwüstet und das Vermögen jüdischer Bürger beschlagnahmt. Der Holocaust forderte auch in der Noris tausende Opfer. Der Zweite Weltkrieg brachte unermessliches Leid über die Bevölkerung: 11.511 Gefallene, 7.500 Verminte, 5.298 Luftkriegstote, tausende Obdachlose und eine zerstörte Stadt. Die Alliierten nutzten ab 1946 das zerstörte .,Nazisymbol” Nürnberg für die Abhaltung der „Nürnberger Prozesse”, in denen sie versuchten, mit der grausamen deutschen Vergangenheit abzurechnen. Nürnberg begann trotz der großen Zerstörungen, seine Identität wiederherzustellen. Es wurde rekonstruiert, auf- und neu gebaut. Heute kann die Noris als die besterhaltene Großstadt des deutschen Mittelalters gelten. Unter größten Anstrengungen gelang es der Stadt, ihre historische Substanz in Einklang mit dem Ausbau zur Industriegroßstadt zu bringen. Heute begegnet man in Nürnberg der deutschen Geschichte mit all ihren Höhen und Tiefen. Die Stadt bietet die großartige Chance, Altes mit Neuem zu verbinden, ob in Architektur, Kunst. Kultur, Wirtschaft oder in den Köpfen der Menschen.

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